«Die Nähe zu den Menschen und das vielfältige Tätigkeitsfeld haben mich motiviert.»

Stephan Kurpanik, Sozialarbeiter

«Die Dankbarkeit zeigt, wie viel kleine Fortschritte bewirken können.»

Nathaniel Huber, Sozialarbeiter i.A.

«Menschen aus verschiedenen Kulturen und ihre Geschichten kennenlernen macht meinen Beruf so spannend.»

Ronya Jörg, Sozialarbeiterin

«In meinem Beruf kann ich das soziale Engagement der Kirche leben. Tag für Tag.»

Martina Helfenstein, Sozialarbeiterin

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«Die Nähe zu den Menschen und das vielfältige Tätigkeitsfeld haben mich motiviert.»

Stephan Kurpanik, Sozialarbeiter

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Stephan Kurpanik arbeitet als Sozialarbeiter im Pastoralraum der Katholischen Kirche Kriens.

«Im Team der Pfarrei St. Gallus führe ich unter anderem Sozialberatungen durch. Ich organisiere und unterstütze zudem Pfarreianlässe, begleite die Freiwilligenarbeit und arbeite in der Quartier- und Projektarbeit mit Behörden und anderen Netzwerkpartnern zusammen.

Nach der obligatorischen Schulzeit absolvierte ich zuerst eine Ausbildung in der Pflege und arbeitete anschliessend auf einer Intensivstation. Diese Arbeit war sehr herausfordernd. Mir blieb kaum Zeit, mich den Patientinnen und Patienten über das Medizinische hinaus auf einer persönlichen Ebene zu widmen. Während eines ehrenamtlichen Sozialjahres in einem Wohnheim für Menschen mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen entstand bei mir der Wunsch, Sozialarbeit zu studieren. Ausschlaggebend war für mich die Nähe zu den Menschen und das vielfältige Tätigkeitsfeld. Nach dem Studium arbeitete ich unter anderem in einem stationären Hospiz. Ich war zudem im Austrittsmanagement eines Spitals sowie in sozialen Beratungsstellen tätig. Die gesammelten Erfahrungen haben meinen Horizont erweitert und bilden heute das Fundament für meine Tätigkeiten im Sozialdienst der Pfarrei.

Zeit für Begegnung und Austausch

Angesichts der Vielfalt an Aufgaben und Terminen ist es mir wichtig, im Arbeitsalltag vorausschauend und gut strukturiert unterwegs zu sein. Die Pflege der Netzwerke, der Austausch mit den Institutionen und den kirchlichen Mitarbeitenden sowie die Koordination der vielen Personen, die sich freiwillig engagieren, macht meine Arbeit interessant und anspruchsvoll. Diese Schnittstellenfunktion braucht viel Zeit und Geduld – und ich bin froh, dass ich den Raum dafür erhalte.

Menschen zum Aufblühen verhelfen

Es lohnt sich, genau hinzuhören. Ein Beispiel: Ein pensionierter, alleinstehender Mann kam zu mir in die Beratung und erkundigte sich nach den Möglichkeiten und Kosten seiner eigenen Beisetzung. Bei genauerem Nachfragen zeigte sich, dass er im Alltag kaum Kontakte mit Mitmenschen pflegte. Er fühlte sich zutiefst einsam und hatte keinen Lebenswillen mehr. Durch regelmässige Gespräche ermutigte ich ihn dazu, unsere Pfarreiangebote wie den Mittagstisch oder den Jass-Nachmittag zu besuchen und an gemeinsamen Wanderungen teilzunehmen. Durch meine Unterstützung kam er immer häufiger zu den Treffen und lernte Gleichgesinnte kennen. Er fand hier Anschluss und blühte förmlich auf. Zu meiner grossen Freude konnte ich ihn sogar als Freiwilligen für unseren Geburtstagsbesuchsdienst gewinnen. Die Jubilarinnen und Jubilare zu besuchen und ihnen seine Zeit zu schenken, empfindet er jedes Mal als grosse Bereicherung und Freude. Sein ursprüngliches Anliegen betreffend Beisetzung ist für ihn inzwischen kein vordergründiges Thema mehr.»

 

«Die Dankbarkeit zeigt, wie viel kleine Fortschritte bewirken können.»

Nathaniel Huber, Sozialarbeiter i.A.

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Nathaniel Huber arbeitet in einem 30% Pensum bei der Sozialberatung der Katholischen Kirche Stadt Luzern. Zeitgleich studiert er im sechsten Semester Soziale Arbeit an der Hochschule Luzern mit Fachrichtung Sozialarbeit.

«In meiner Arbeit unterstütze ich Menschen, die sich in belastenden Lebenssituationen befinden – bei Themen wie Finanzen, Wohnen, Arbeit oder Gesundheit. Mein Arbeitsplatz ist am Standort Der MaiHof - Pfarrei St. Josef, wo ich Beratungsgespräche führe, Recherchen zu passenden Unterstützungsangeboten mache, Kontakte zu Fachstellen herstelle und Beratungsverläufe dokumentiere.

Soziales Engagement als Berufswunsch

Mein Weg in die Soziale Arbeit war nicht von Anfang an ganz klar. Nach der obligatorischen Schulzeit absolvierte ich eine Lehre als Sanitärinstallateur und schloss die Berufsmatura in technischer Richtung ab. Danach folgte der Militärdienst. In dieser Zeit reifte in mir der Entschluss, beruflich eine neue, sinnstiftende und vor allem soziale Richtung einzuschlagen. So begann ich mein Studium der Sozialen Arbeit. Mein Interesse an sozialen Themen war schon früh da: Als Jugendlicher engagierte ich mich als Leiter bei der Jungwacht Blauring, wirkte im Jugendkaffee mit und war aktiv in der Jugendriege. Diese Erfahrungen zeigten mir, wie wichtig Begegnung und Unterstützung für Menschen und ihre Lebensgeschichten sind. Daher habe ich mich entschlossen, einen Weg zu gehen, bei dem ich in später im Beruf meine Mitmenschen konkret und nachhaltig unterstützen kann.

Sich für Ressourcen und Veränderungen einsetzen

An einem typischen Arbeitstag führe ich Gespräche mit Klientinnen und Klienten, helfe ihnen beim Entwickeln von individuellen und praktischen Lösungen und gemeinsam entdecken wir neue Perspektiven. Dazu kläre ich auch ihre Ansprüche bei Behörden oder Fachstellen ab. Geduldig sein ist für mich manchmal eine Herausforderung, denn Veränderungen brauchen Zeit und die Ressourcen sind oft begrenzt.

Teil der Lösung sein

Umso schöner sind Ergebnisse wie beispielsweise mit einer Klientin, die ihre Ausgaben nach einer langen, schwierigen Phase reduzieren konnte, sodass sie keine Unterstützung mehr benötigt. Die Dankbarkeit, die sie am Ende der Begleitung ausdrückte, hat mir gezeigt, wie viel kleine Fortschritte bewirken können. Wenn Menschen wieder in ihre Selbstständigkeit zurückfinden, bin ich dankbar, Teil des Lösungsprozesses zu sein.»

 

«Menschen aus verschiedenen Kulturen und ihre Geschichten kennenlernen macht meinen Beruf so spannend.»

Ronya Jörg, Sozialarbeiterin

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Ronya Jörg arbeitet als Sozialarbeiterin in St. Gallen.

«Ich arbeite beim Katholischen Sozialdienst und bin für den Westen der Stadt St. Gallen (Bruggen, Abtwil, Winkeln und Engelburg) zuständig. Wir bieten freiwillige Sozialberatung für Menschen in Notsituationen an. Die allermeisten Personen kommen bei finanziellen Engpässen zu uns. Wir führen Budgetberatungen durch, geben Antworten bei Fragen zu Sozialversicherungen und können punktuell finanzielle Hilfe leisten.

Unsere Klientinnen und Klienten tragen ihre Lebensgeschichten und Schicksale an uns heran. Da ist es wichtig, ihre Themen nicht mit nach Hause zu nehmen und sich abgrenzen zu können. Ausserdem haben wir auch ab und zu Klientinnen und Klienten, bei denen wir «Nein» sagen müssen – beispielsweise, wenn sie mit sehr hohen Rechnungsbeträgen kommen. Das sind immer herausfordernde Situationen. Aber bei der kirchlichen Sozialarbeit können wir uns Zeit nehmen für die Menschen und Lösungsfindung.

Klientinnen und Klienten nicht nur als Zahlen sehen

Vor meiner Arbeit heute habe ich eine Ausbildung zur kaufmännischen Angestellten bei der städtischen Verwaltung gemacht. Ich wechselte dabei alle sechs Monate die Abteilung und durfte auch ein halbes Jahr auf dem Sozialamt arbeiten. Aus Datenschutz- und Sicherheitsgründen hatte ich als Lernende keinen direkten Kontakt mit den Klientinnen und Klienten und arbeitete im Backoffice. Dies frustrierte mich, weil ich gerne die Menschen hinter den Zahlen auf meinem Computer kennenlernen wollte. So kam ich auf die Idee, Soziale Arbeit zu studieren. Entsprechend habe ich nach der Lehre Vollzeit die Berufsmaturitätsschule besucht. Meine Vorpraktika absolviert habe ich im Kinderdörfli Lütisburg, einem Heim für Kinder und Jugendliche mit Lernschwäche, sowie bei der Peregrina Stiftung, einer Beratungsstelle für Asylsuchende und Geflüchtete. Während des Studiums arbeitete ich bei den Sozialen Diensten Wil.

Viel Admin, aber noch mehr Dankbarkeit

Einen typischen Tagesablauf gibt es bei mir nicht. Es kommt immer mal wieder vor, dass Klientinnen und Klienten unangemeldet vor der Türe stehen. Neben den persönlichen Beratungsgesprächen gibt es auch viel Administrationsarbeit zu erledigen. Vielen ist das nicht so bewusst. Es gibt Tage, an denen wir nur Abklärungen für Klientinnen und Klienten erledigen, Mails beantworten, Telefonate führen oder finanzielle Gesuche an Stiftungen schreiben. Aber die Erfolgserlebnisse und die Dankbarkeit der Klientinnen und Klienten sind das, was mich in meinem Beruf erfüllt.

Das Schöne an der kirchlichen Sozialarbeit – im Vergleich zur gesetzlichen – ist definitiv, dass wir für unsere Arbeit sehr viel Spielraum haben. Die finanziellen Fonds werden grösstenteils durch Spenden generiert und unterliegen so keinem Gesetz, das mit einem strengen Raster vorgibt, wem was zustehe.

Neben der Beratung lancieren wir verschiedene weitere soziale Projekte für Menschen in verschiedensten Lebenslagen. Kreative Ideen sind sehr willkommen – praktisch alle unsere Ideen werden bewilligt. Wir veröffentlichen beispielsweise Biografien von Klientinnen und Klienten, stellen von ihnen gemalte Bilder an einer Vernissage aus oder organisieren einen Kleidertausch.»

 

«In meinem Beruf kann ich das soziale Engagement der Kirche leben. Tag für Tag.»

Martina Helfenstein, Sozialarbeiterin

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Martina Helfenstein ist in Sursee LU Sozialarbeiterin für die Katholische und die Reformierte Kirche; zusammen tragen diese die ökumenische Stelle Soziale Arbeit der Kirchen Sursee.

«In meinen drei Jahren Vollzeitstudium in Sozialer Arbeit an der Hochschule Luzern hatte uns Studentinnen und Studenten niemand gesagt, dass auch die Kirche als Arbeitgeberin infrage kommt. Zur Kirche kam ich dann auch per Zufall: Eine Tante zeigte mir ein Stelleninserat, in dem die Pfarrei Baar eine Sozialarbeiterin suchte. Ich bewarb mich und mir gefiel die Vielfalt der Arbeitsbereiche so gut, dass ich sieben Jahre blieb.

Baar ist die grösste Pfarrei im Bistum Basel. Aber nicht nur deshalb gab es für mich zu Beginn viel zu lernen. Begriffe wie Liturgie oder Dekanat waren mir anfänglich fremd, vieles war neu für mich. Als Jugendliche machte ich zwar im Blauring mit, aber das war in meinem vorherigen Leben neben dem Religionsunterricht und den Sakramenten der einzige Anknüpfungspunkt zur Kirche gewesen. So brauchte ich Zeit, um am neuen Ort anzukommen und zum Beispiel das erste Mal ein Kirchenjahr von A bis Z zu erleben. Glücklicherweise gab man mir diese in Baar.

Sich Zeit nehmen für Menschen und Aufgaben

Als Sozialarbeiterin das Leben einer Pfarrei mitgestalten, das ist eine spannende Aufgabe. Jede und jeder im Team hat seinen Blickpunkt, aber zusammen sucht und findet man eine Lösung, und die ist oft besser als jene, die man alleine gefunden hätte. Und man kann sich Zeit nehmen für Menschen und Aufgaben, das ist keine Selbstverständlichkeit im modernen Arbeitsalltag.

Nach sieben Jahren in Baar weckte wiederum ein Stelleninserat mein Interesse: Dieses Mal ging es um den Aufbau einer völlig neuen Stelle für Soziale Arbeit im Städtchen Sursee. Die Möglichkeit, Neues zu gestalten und eigene Ideen einzubringen, wollte ich packen. Und siehe da: Ich wurde angestellt.

«Wichtig ist mir auch die Ökumene, arbeite ich doch für die Katholische und die Reformierte Kirche.»

Soziale Arbeit ist ein spannender, interdisziplinärer Beruf. Im Studium beschäftigst du dich mit Fächern wie Recht, Soziologie oder Psychologie. Und das alles kann ich heute im Arbeitsalltag anwenden. Der ist ja so vielfältig: Ich berate Menschen, die zu mir kommen, bin aber auch in Projekten engagiert. Auf beiden Wegen habe ich Kontakt zu vielen unterschiedlichen Menschengruppen. Und jeder Tag bringt Überraschungen: Meistens weiss ich am Morgen nicht, was mich den Tag durch erwartet. Dafür geniesse ich viele Freiheiten und viel Freiraum.

Abgrenzen als wichtige Komponente

Die Sozialberatung, die einen Teil meiner Arbeit ausmacht, ist einigermassen planbar. Manchmal sind die Anliegen aber auch dringender Natur, da muss ich flexibel sein. Doch viele Klientinnen und Klienten kommen erst auf den letzten Drücker zu mir, wenn sich zum Beispiel ein Problem schon zugespitzt hat oder eine Situation schon ziemlich verfahren ist. Dann pressiert es plötzlich. Dafür kann ich aber nichts, deshalb muss ich mich auch abgrenzen können. Meine Arbeitszeiten sind übrigens regelmässig unregelmässig, aber lange nicht so wie bei Seelsorgern. Das Wochenende ist zum Beispiel meistens frei.

Lange Zeit war ich die einzige Sozialarbeiterin im Team; aus fachlicher Sicht fehlte mir ein Ansprechpartner und ich war eine Einzelkämpferin. Nun habe ich Verstärkung erhalten und wir sind zu zweit im Team. Es ist trotzdem sehr wichtig, Netzwerke zu schaffen und zum Beispiel den regelmässigen Austausch mit den Sozialarbeitenden von anderen Pfarreien, der Gemeinde oder der Schule zu pflegen. Gleichzeitig bin ich Mitglied des Seelsorgeteams und somit auch eine Teamplayerin. Wichtig ist mir auch die Ökumene, arbeite ich doch für die Katholische und die Reformierte Kirche. Nur weil die Menschen eine andere Konfession haben, unterscheiden sich die Anliegen nicht, mit denen sie zu mir kommen. In meinem Beruf kann ich das soziale Engagement der Kirche leben. Tag für Tag.»

 

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