Zwischen Orgelspiel, Konzert und Lehre
Suzanne Z’Graggen verbindet in ihrem Beruf Konzert, Gottesdienst und Lehre. Als Professorin für Orgel an der Hochschule Luzern begleitet sie Studierende und ist zugleich verantwortliche Kirchenmusikerin und Hauptorganistin an der Jesuitenkirche in Luzern. Die Arbeit mit jungen Musikerinnen und Musikern fordert sie heraus, das eigene Spiel und ihre musikalischen Ansätze immer neu zu prüfen.
Die Jesuitenkirche ist ein wunderschöner Arbeitsplatz, und wenn ich hier musizieren und wirken darf, empfinde ich das als grosses Geschenk. Doch es ist nicht das allein, was mich in meiner gegenwärtigen Arbeit ausfüllt. Es ist die Kombination meiner Tätigkeiten: die konzertanten Auftritte, das aktive Musizieren bei gottesdienstlichen Feiern und das Unterrichten junger Menschen.
«Die Arbeit mit Studierenden lässt mich eigene Ansätze im Musikalischen immer wieder überdenken.»
Suzanne Z’Graggen
Dadurch findet eine ständige Auseinandersetzung mit dem Instrument, dem Raum und der technischen wie auch der musikalischen Umsetzung der Orgelliteratur statt. Das Einlassen auf diesen Prozess fordert mich stets aufs Neue heraus.
Etwas tief Berührendes und Erfüllendes
Zur Orgel kam ich im Kindesalter eher durch Zufall. Seither hat mich die Faszination für dieses aussergewöhnliche Instrument nicht mehr losgelassen. Das immense Klangspektrum, die dynamischen Möglichkeiten, das Erleben des Schalls in wunderbaren Räumen und der Reichtum an Orgelliteratur sind einzigartig. Zudem ist jede Orgel anders, und das sehr körperliche Spiel mit Händen und Füssen auf mehreren Manualen und Pedal machen das Orgelspiel in meinen Augen zu etwas tief Berührendem und Erfüllendem.
Von klein auf übte ich stundenlang, und der erste Orgelunterricht durfte alsdann folgen. Dabei hatte ich das Glück, einem Lehrer zu begegnen, der meine Begeisterung spüren und aufnehmen konnte. Er gab mir seine Spielfreude und grosse Erfahrung zurück. Neben dem Gymnasium folgten bald erste Studien in Kirchen- und Schulmusik an der Musikhochschule Luzern.
Musik prägte dann auch mein weiteres Studium: An der Hochschule der Künste Bern schloss ich mit den Lehr- und Solistendiplom Orgel und an der Universität Bern mit dem Gymnasiallehramt im Fach Musik ab. Ein besonderer Abschluss war dann das Konzertdiplom Orgel in der Konzertklasse von Professor Michael Radulescu an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Dieser Komponist und Organist faszinierte mich ungemein, und die Zeit in Wien war für mich denn auch in verschiedener Hinsicht unglaublich wertvoll und inspirierend.
Grosses Spektrum an kirchlichen Anlässen
Meine erste grosse Anstellung als Kirchenmusikerin trat ich 2008 als Domorganistin der St.-Ursen-Kathedrale Solothurn an, wo ich auch künstlerische Leiterin diverser Orgelkonzertreihen war. In den über acht Jahren meiner Tätigkeit lernte ich viele spannende Menschen kennen und erlebte zahlreiche musikalisch eindrückliche Feiern. Dabei war das ganze Spektrum kirchlicher Anlässe vom Sonntagsgottesdienst über Taufen, Trauungen oder Beerdigungen bis hin zu den Feiern des bischöflichen Ordinariates gross. Es ist ja wohl oft so, dass Menschen in die Kirche kommen, wenn sie sich entweder in schwierigen oder besonders schönen Lebenssituationen befinden.
Die Anstellung als Domorganistin bedingte durch die vielen Fixtermine eine relativ starke Bindung an den Ort. Das kirchenmusikalische Leben an der Jesuitenkirche Luzern ist diesbezüglich freier, da es sich bei dieser ganz speziellen Kirche um keine Pfarrkirche handelt und sich somit Gottesdiensttermine auf Sonn- und Feiertage beschränken. So geniesse ich es nun, dem Konzertieren als Orgelsolistin mehr Raum geben zu dürfen, und ebenso der Arbeit mit den jungen Menschen, die sich für das Berufsfeld Kirchenmusik an der Hochschule Luzern – Musik entschieden haben.
«Es ist für mich ein grosses Privileg, Studierende auf ihrem musikalischen Weg begleiten zu dürfen.»