Unterstützen in einer besonderen Lebensphase
Urs Kuster ist Seelsorger und Pfarreileiter in Bernhardzell SG. Gleichzeitig ist er Armeeseelsorger und in dieser Funktion eine Anlaufstelle für alle Angehörigen der Armee, die Rat suchen, Fragen nach dem Sinn des Lebens haben und ein 4-Augen-Gespräch wünschen.
In meiner beruflichen Tätigkeit steht für mich immer der Mensch im Mittelpunkt, vor allem der Mensch in einer speziellen Lebenssituation. Das ist die Armee in hohem Masse, für viele ist insbesondere die Rekrutenschule eine Herausforderung. Da bin ich gerne eine Stütze. Ich helfe, diese militärischen Herausforderungen und – viel häufiger noch – auch belastende Themen aus dem zivilen Leben lösungsorientiert anzugehen.
«Die RS ist für viele eine Herausforderung. Da bin ich gerne eine Stütze.»
Urs Kuster
Vom Zimmermann zum Religionspädagogen
Ich hatte ursprünglich Zimmermann gelernt. Aber mir war schon früh klar gewesen, dass ich entweder auf dem Bau Richtung Vorarbeiter/Polier weitermache oder eine ganz andere Richtung mit mehr Kontakt zu Menschen einschlage. Dann stiess ich auf das katechetische Institut in Luzern. Das Angebot sagte mir sehr zu, so dass ich mich zu einem Vollzeitstudium entschloss. Dabei war ich zuvor in der Kirche nicht mal besonders verwurzelt. Ich war zwar Ministrant gewesen und hatte dabei viel Gutes erlebt. Mit den Eltern ging ich am Sonntag ab und zu in die Kirche und fühlte mich dort grundsätzlich wohl. Aber in den Sportvereinen hatte ich mich viel stärker engagiert.
Das änderte sich nach dem Studium als Religionspädagoge RPI. Zuerst war ich Jugendseelsorger in einer Pfarrei, dann leitete ich die Animationsstelle für kirchliche Jugendarbeit in Rorschach und reduzierte mein Pensum in der Pfarrei. Im Sommer 2013 stieg ich in Gossau dann vollständig in die Pastoralarbeit ein.
Spezieller Weg in die Armeeseelsorge
Mein Weg in die Armeeseelsorge war etwas speziell. Als Religionspädagoge hatte ich beim Psychologisch-Pädagogischen Dienst der Armee den Fachoffizier gemacht. Kollegen, die Armeeseelsorger waren, fragten mich dann, ob ich nicht zu ihnen stossen wolle. Obschon ich bereits Offizier war, war es anfänglich aber gar nicht möglich, weil es zu dieser Zeit für Religionspädagogen im Unterschied zu heute nicht vorgesehen war, in die Armeeseelsorge einzusteigen. Doch ein Diakon und Armeeseelsorger setzte sich bei Bischof Markus Büchel für mich ein, und schliesslich gab dieser mir die notwendige Empfehlung. 2012 machte ich dann noch den Lehrgang A für Armeeseelsorger. 2015 folgte der Lehrgang B zum Dienstchef. Seit 2015 bin ich Dienstchef der Armeeseelsorger beim Lehrverband Infanterie.
«In den ersten Wochen der RS kommt es auf rund 600 Rekruten zu 30 bis 60 Kontakten.»
In der ersten RS-Woche gehen ich und das Team an Armeeseelsorgern, das mir zur Verfügung steht, in jede Kompanie und stellen unsere Aufgaben und Möglichkeiten vor. Während der RS hängen unsere Telefonnummern am Anschlagbrett. Wir sind die einzige Instanz, welche die Rekruten direkt und ohne Umweg über ihre Vorgesetzten anrufen können. Das wird vor allem in den ersten Wochen der RS rege genutzt, da kommt es auf rund 600 Rekruten zu 30 bis 60 Kontakten.
Wenn ich am Telefon keine Lösung finde, suche ich einen freien Termin in meiner Agenda. Für den Besuch in der Kaserne muss ich mich immer umziehen, denn ich treffe die Rekruten in Uniform. Weil wir von der Armeeseelsorge mit dem psychologisch-pädagogischen Dienst der Armee, dem Sozialdienst der Armee und den Ärzten vor Ort zusammenarbeiten, können wir zusammen viel Gutes erreichen. Ein lohnendes Engagement!
Im Lauf der Zeit habe ich mich vielfältig weitergebildet, so habe ich einen CAS in der Krisenintervention, viele Notfallpsychologie-Kurse und den CAS Zielorientierte Beratung bei psychischen Erkrankungen in meinem Rucksack. Ich bin einerseits Teil des Care Teams der Armee, andererseits im Care Team Psychologische Erste Hilfe des Kantons St. Gallen. Aber auch als gewöhnlicher Seelsorger in einer Pfarrei ist es von Vorteil, von psychischen Erkrankungen eine Ahnung zu haben.