Religion lebendig machen
Patrizia Vonwil-Immersi ist Religionspädagogin und erteilt in Stans NW Religionsunterricht in der Primar- und Orientierungsstufe. Sie gestaltet Familiengottesdienste, ist Präses in der Pfadi und begleitet Jugendliche auf dem Firmweg. 2024 übernimmt Patrizia Vonwil-Immersi die Leitung der neuen gemeinsamen Fachstelle von OKJ (Offene kirchliche Jugendarbeit) und damp (Deutschschweizer Arbeitsgruppe für Ministrant:innenpastoral).
«Muss man alt sein, um Ordensfrau zu werden? Hatten Sie schon einen Freund?», fragen die Schüler, wenn wir im Kloster sind. Die Ordensfrauen geben gerne Auskunft. Im Unterricht ist der Bezug zum täglichen Leben wichtig. Wir besuchen das «Spuntan», eine Notaufnahme für Jugendliche, oder sehen uns themenbezogene Filme an. In der Orientierungsstufe wählen die Jugendlichen die Themen selbst – ob Judentum, Okkultismus oder Todesstrafe. Oft muss ich mich komplett in ein neues Gebiet eingraben. Auch schon stand ein Muslim den Schülerinnen und Schülern Rede und Antwort zum Islam: «Warum dürfen die Kinder nicht in die Badi? Gibt’s auch für Männer Kleidervorschriften?» Für Kleinere erfinde ich ein Leiterlispiel zum heiligen Franziskus: Wer beim Papst seine Kleider auszieht, muss zweimal aussetzen. So wird Religion lebendig.
«Für Kleinere erfinde ich ein Leiterlispiel zum heiligen Franziskus: So wird Religion lebendig.»
Patrizia Vonwil-Immersi
Du hast nie 20 Engel in der Klasse. Da braucht’s Ausdauer und klare Regeln. Bei schwierigen Schülerinnen und Schülern musst du voll da sein, mitbekommen, was läuft. Das gelingt nicht immer. Zum Glück habe ich einen guten Draht zu den übrigen Lehrpersonen. Bei denen hole ich mir Infos. Ich mag die tägliche Herausforderung mit den Jugendlichen, die thematische Vielfalt von den Kleinen bis zu den Grossen. Habe ich mal wieder eine besonders schwierige Klasse, bin ich froh, nur eine Doppellektion pro Woche zu unterrichten!
Jugendlichen zeigen: Kirche besteht aus Menschen
Engagement in der jugendlichen Verbandsarbeit gehört zum Job: Als Präses in der Pfadi höre ich in die Höcks rein, coache Leiterinnen und Leiter bei Problemen, bin Ansprechpartnerin für die Eltern und im Lager begleitend dabei. Auf dem Firmweg bin ich mit Jugendlichen ab 18 von September bis Sommer unterwegs, um sie auf die Firmung vorzubereiten – mit Gruppen- und Firmkursabenden sowie Sozialpraktika, etwa auf einer Alp oder mit Behinderten. Vom Infoabend bis zum Thema gleisen wir im Zweierteam alles auf.
Etwa zum Motto «mission possible»: Vieles wird möglich, wenn sich Menschen etwas zutrauen und sich für etwas einsetzen. Als Verkörperung dieser Grundhaltung spannen wir vor der Kirche eine Hängebrücke. Daran hängen Fähnchen, auf denen die Firmanden Farbe bekennen: Was ist mir wichtig im Leben? Wofür setze ich mich ein? Was trägt mich? So erfahren die Jugendlichen, dass Gott vor allem dort wirkt, wo Menschen das Leben gemeinsam anpacken und Veränderung möglich machen.
«Du bist nie allein, arbeitest immer im Team.»
Als Religionspädagogin sind Teilzeitjobs gang und gäbe, du kannst dir die Arbeit frei einteilen. Beides ist perfekt, um Beruf und Familie zu verbinden. Du bist nie allein, arbeitest immer im Team. Das geht nur, wenn du dich gerne mit Menschen abgibst. Einzelgänger wären verloren. An der Basis ist es egal, ob du eine Frau oder ein Mann bist. Da zählt nur dein Engagement.
Das Hobby zum Beruf gemacht
Mit sechzehn hätte ich mir nie träumen lassen, Religionspädagogin zu werden. Damals hatte ich anderes im Kopf, wie die meisten Jugendlichen. Ich absolvierte eine Drogistenlehre und die Kosmetikschule, war zwei Jahre als Sachbearbeiterin in einem grossen Drogerieunternehmen tätig und sammelte viele Erfahrungen. Der Kontakt zu Menschen war mir dabei schon immer wichtig. Den Stein ins Rollen brachte mein damaliger Präses in der Pfadi: Dank ihm begann ich ehrenamtlich im Pfarreirat mitzuwirken, wurde später Firmbegleiterin. Ich investierte viel Freizeit in diese Arbeit, empfand sie als wertvoll und lehrreich. Da fragte ich mich plötzlich: Warum machst du’s nicht zum Beruf?
Ich ging an eine Infotagung, war überzeugt und meldete mich am Religionspädagogischen Institut in Luzern (RPI) an. In der berufsbegleitenden Ausbildung lernte ich unglaublich viel. Zum Glück konnte ich bei Fragen aufs Pfarrteam zurückgreifen. Ich war vor, während und nach meiner Ausbildung immer hier in Stans aktiv. Das ist eher aussergewöhnlich.