Räume für alle schaffen
Pfarreiseelsorgerin Heidrun Döhling begleitet in der Pfarrei St. Franziskus Riehen–Bettingen im Pastoralraum Basel-Stadt vor allem Kinder, Jugendliche und Familien. Sie gestaltet Firm- und Erstkommunionwege, Gottesdienste und generationenübergreifende Anlässe. Dabei schafft sie offene Räume, in denen Menschen sich willkommen, gesehen und mit ihren Fragen ernst genommen fühlen.
Die Vielfalt meiner Aufgabenbereiche in der Seelsorge ist wunderbar. Mein Schwerpunkt liegt bei der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien. Ich begleite Ministrantinnen und Ministranten, den Erstkommunion- sowie den Firmweg und leite Kurse für Jugendliche im Rahmen des kirchlichen Religionsunterrichts. Zudem feiere ich Gottesdienste, gestalte Beerdigungen, organisiere Anlässe für Menschen aller Generationen und koordiniere die Freiwilligenarbeit.
«Damit sich Menschen in der Kirche so, wie sie sind, gesehen fühlen.»
Heidrun Döhling
Ich bin in einer Kleinstadt in Süddeutschland aufgewachsen und war Teil einer lebendigen Pfarrei. Ich engagierte mich in Jugendgottesdiensten, im Jugendchor und bei den Sternsingern. Dort traf ich auf Seelsorgende, die mit uns jungen Menschen auf Augenhöhe unterwegs waren. Wir hatten viel Raum für Kreativität, Gemeinschaft sowie Sinn- und Glaubensfragen. Das war eine sehr prägende Zeit für mich.
Nach der Matura und einem sozialen Jahr mit Kindern und Jugendlichen studierte ich Sozialpädagogik. Die Sehnsucht nach einem Lebensentwurf, in dem Spiritualität, Gemeinschaft und mein Beruf miteinander verbunden sind, wurde immer stärker.
Mein erstes praktisches Studiensemester absolvierte ich in einer Fachstelle für kirchliche Jugendarbeit, wo ich mich danach auch weiter freiwillig engagierte. Für mein zweites praktisches Studiensemester kam ich in die Schweiz, in eine christliche Gemeinschaft für Menschen mit und ohne kognitive Beeinträchtigung. Fasziniert von diesem Zusammenleben blieb ich dort nach Abschluss des Studiums als Sozialpädagogin tätig.
Gleichzeitig startete ich mit viel Freude mein Zweitstudium in Theologie an der Universität in Freiburg im Breisgau. Nach dem zweiten Abschluss blieb ich in der Arche und wurde Verantwortliche für Spiritualität und Seelsorgerin für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung sowie für ihre Begleiterinnen und Begleiter.
Lebenserfahrung fliesst in die Arbeit ein
Mit Mitte 40 – nach einer intensiven Familienzeit mit unseren vier Kindern und über zwanzig Jahren am gleichen Ort – wurde mir klar: Es ist Zeit für etwas Neues. In meiner heutigen Arbeit als Pfarreiseelsorgerin in der Pfarrei St. Franziskus darf nun vieles zusammenfliessen, was ich auf meinem bisherigen Weg gelernt habe. Der schnelle Wechsel zwischen den vielfältigen Aufgaben und meinen unterschiedlichen Rollen kann herausfordernd sein. Mir helfen meine Fähigkeit, mich offen und wertschätzend auf andere Menschen und neue Situationen einzustellen sowie mein Organisationstalent.
Beherzte Schritte im eigenen Alltag wagen
Ich finde es sehr schön an meiner Arbeit, dass ich vieles frei gestalten darf. Ich kann mit anderen Menschen vor Ort Ideen spinnen, Veränderungsprozesse anstossen und Neues ausprobieren. Manchmal halte ich es nur schwer aus, dass aus meiner Sicht vieles in der Weltkirche zu langsam geht. Ich würde mir mutigere und beherztere Schritte wünschen.
Menschen jeden Alters und in unterschiedlichsten Lebenssituationen sollen sich in unserer Kirche willkommen und gesehen fühlen – so, wie sie sind, mit allem, was sie bewegt. Wenn ich als Seelsorgerin dazu beitragen kann, Räume zu öffnen und zu hüten, in denen das möglich ist, und in denen Menschen Gott begegnen können, dann macht mich das glücklich. Darin sehe ich meine Berufung.