Glaube als Teil des Berufs
Marianne Bolt begleitet als Seelsorgerin in Einsiedeln SZ Menschen durch Freude, Trauer und persönliche Umbrüche. Nach Jahren im Journalismus fand sie den Weg zurück zu ihrerer religiösen Heimat. Heute gestaltet sie Gottesdienste, unterrichtet Religion und schafft Räume, in denen Glauben gemeinsam vertieft und erfahrbar wird vor Ort.
Die Tätigkeit als Seelsorgerin bringt es mit sich, dass kein Tag dem anderen gleicht. Zu meinen regelmässigen Aufgaben gehören die Wort-Gottes-Feiern, der Predigtdienst in Eucharistiefeiern, Religionsunterricht und künftig auch die Taufvorbereitung. Beerdigungen und Einzelgespräche kommen jeweils kurzfristig hinzu. Ich bin auch für den Bereich «Erwachsene und Glauben» verantwortlich. Dort haben wir ein breites Spektrum von Angeboten, um Glaubensfragen gemeinsam zu diskutieren und Glauben auch ausserhalb von Gottesdiensten zu vertiefen und erlebbar zu machen.
«Ich freue mich immer wieder darüber, Menschen ein Stück weit begleiten zu dürfen.»
Marianne Bolt
Schon früh ökumenisch und interreligiös geprägt
Der Weg in die Pfarrei Einsiedeln verlief nicht geradlinig. Ich bin in eine katholische Familie hineingeboren, in der ich politisch und religiös weltoffen aufwuchs. Schon als Kind und später als Jugendliche wurde ich ökumenisch und interreligiös geprägt. So war für mich schon früh klar, dass ich mich in der humanitären Arbeit oder im Journalismus engagieren wollte. Während meines Studiums in Politikwissenschaft, Völkerrecht und Arabisch rückte mein Glaube allerdings eine Zeit lang in den Hintergrund.
Erst die Geburten meiner Kinder und die damit verbundenen Fragen zu deren Taufen, Erziehung und später zur Erstkommunion brachten meinen Glauben zurück: Einerseits erinnerte ich mich an die Stütze, die ich bei schmerzlichen Verlusten in meiner Familie erfahren hatte. Andererseits dachte ich viel über Sinnfragen nach. Ich reflektierte mein eigenes Leben, meine persönlichen Gespräche mit Gott und auch das wohltuende Schweigen und Geborgensein in seiner Gegenwart. Kurzum: Meine religiöse Heimat war plötzlich wieder sehr präsent – dahin wollte ich zurück.
Währenddem ich noch als Redaktorin tätig blieb, vollzog ich langsam und berufsbegleitend eine Richtungsänderung. Ein anderthalbjähriger Liturgiekurs beim Liturgischen Institut in Freiburg entfachte mein inneres Feuer für die katholische Theologie. Deswegen habe ich mich entschieden, an der Theologischen Hochschule Chur im sogenannten Bischöflichen Studienprogramm Theologie zu studieren. Für das anschliessende Pastoraljahr schickte mich das Bistum Chur nach Einsiedeln, wo ich heute als Seelsorgerin tätig bin.
Ein Berufsalltag geprägt von Mitfühlen
Das seelsorgerische Begleiten von Menschen in unterschiedlichsten Lebenssituationen ist geprägt von sämtlichen Gefühlsregungen, die das Leben mit sich bringt: Freude und Trauer, Mit-Aushalten, Mit-Lachen, Mit-Feiern, Mit-Danken. Das alles erlebe ich stets im Vertrauen, dass wir uns dabei «von guten Mächten wunderbar geborgen» fühlen dürfen. Es ist mir wichtig, auch auf meine eigenen Kräfte zu achten. Mein täglicher Spaziergang über Mittag rund um das Kloster hilft mir dabei sehr. Ich freue mich immer wieder darüber, Menschen ein Stück weit begleiten zu dürfen, um sie dann – hoffentlich gestärkt – weiterziehen zu lassen.