Für Veränderungen einstehen
Charlotte Küng-Bless arbeitet als Seelsorgerin bei der Katholischen Kirche Region Rorschach und als Religionslehrerin an der Kantonsschule am Burggraben in St. Gallen. Dabei will sie Hoffnung vermitteln, Neues anstossen und Menschen zeigen, dass ihr Wert weder von Leistung noch von Status abhängt.
Ich sehe mich als Handwerkerin für Menschen. Ich arbeite gerne mit ihnen und zu ihrem Wohl. Ich möchte Hoffnung weitergeben, Möglichkeiten aufzeigen und diese ausloten. Das hat auch eine politische Dimension und ist mir persönlich ein grosses Anliegen: Kreativität und Engagement für Neues – im Rahmen der Katholischen Kirche. Wir haben alle einen Auftrag und mir ist es wichtig, dem zu folgen.
«Wir haben alle einen Auftrag und mir ist es wichtig, dem zu folgen.»
Charlotte Küng-Bless
Menschen mitnehmen und sie unterstützen
Ich feiere gerne in meinen Gottesdiensten, am liebsten mit Musik. Musikalisch sein liegt in unserer Familie. Mein Mann ist Musiker und begleitet mich manchmal bei den Gottesdiensten. Ich möchte die Menschen mitnehmen und nicht bedächtig predigen. Zum ersten Mal durfte ich als 20-jährige Blauring-Leiterin beim Lagerrückblick eine Predigt halten. Das war ein sehr prägendes Erlebnis für mich. Die Ausbildung machte ich zur Primarlehrerin am ehemaligen Lehrerinnenseminar Baldegg im luzernischen Seetal. Ich merkte aber, dass ich noch etwas anderes brauche. Etwas, bei dem ich den Menschen zeigen kann, wie wertvoll sie sind – unabhängig von den Kriterien unserer Leistungsgesellschaft.
Unverbesserliche Weltverbesserungstendenz
Für die neue Richtung zum Kirchenberuf waren zwei Momente besonders einschneidend: Einmal auf der spirituellen Ebene, bei einem Ostergottesdienst, als ich spürte, dass das mein Weg ist, und einmal auf der praktischen Ebene, beim Berufsberater. Theologie sei der richtige Studiengang für mich – wegen meiner Weltverbesserungstendenz, wie er sagte. Das Studium absolvierte ich an der Universität Luzern. Ich genoss diese Zeit des Studierens und nutzte sie intensiv zur Reflexion. Während des Studiums unterrichtete ich in einem kleinen Pensum Religion an der Primarschule in Weggis. Das war ein idyllischer Arbeitsweg mit dem Schiff von Luzern aus über den Vierwaldstättersee.
Profil zeigen
Nun bin ich seit 2011 in der Region Rorschach als Seelsorgerin tätig und seit 2021 als Religionslehrerin in St. Gallen. Ich bin sehr glücklich mit meinem Beruf und übe ihn mit Begeisterung aus. Wie alle, die sich mit Herzblut für etwas engagieren, das ihnen wichtig ist, habe ich manchmal Zweifel und stosse an meine Grenzen. In der katholischen Kirche sind sie einfach (offensichtlicher als anderorts) abhängig vom Geschlecht eines Menschen. Aber wenn ich im Arbeitsalltag merke, wie anregend die Auseinandersetzung mit dem Glauben für junge und ältere Menschen ist, dann gibt mir das sehr viel Kraft und Antrieb.
Als Seelsorgerin sollte man warmherzig und verständnisvoll sein, aber auch Profil zu zeigen, um fassbar und glaubwürdig zu sein. Man muss gut mit unterschiedlichen Menschen umzugehen wissen und sich leicht auf verschiedene Situationen einstellen können. Freude und Trauer liegen im Berufsalltag manchmal sehr nah beieinander. Als Kanti-Lehrerin habe ich dauernd die Möglichkeit, mich mit Jugendlichen zu spannenden Themen und religiösen Texte auszutauschen. Da ist es wichtig, eine offene Atmosphäre und einen respektvollen Rahmen zu schaffen und trotzdem eine klare Linie zu haben.