«Das A und O für diesen Beruf ist es, Menschen gerne zu haben. Einfach weil sie sind.»

Ivan Šarić, Priester

«Kein anderer Beruf bietet so viele Möglichkeiten, mit unterschiedlichen Menschen in Kontakt zu kommen.»

Bartek Migacz, Priester

«Der Nimbus des Pfarrers ist heute verloren. Das spornt an, sich den Respekt zu verdienen.»

Daniel Krieg, Priester

«Menschen einladen und immer wieder Neues wagen. Das kann ich hier.»

Daniel Noti, Priester

«Taufe, Hochzeit, Tod: Was ein Mensch in einem Leben sieht, gibt’s bei mir an einem Tag!»

Daniel Fischler, Priester

Priester

«Das A und O für diesen Beruf ist es, Menschen gerne zu haben. Einfach weil sie sind.»

Ivan Šarić, Priester

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Ivan Šarić arbeitet als Priester in der Bruder-Klaus-Pfarrei in St. Gallen-Winkeln.

«Meine Tage beginnen früh mit einem Gebet, um Kraft für meine Aufgaben zu schöpfen. Neben der Verantwortung für Gottesdienste sowie der Durchführung von Sakramenten bin ich oft unterwegs und begleite Menschen in verschiedenen Lebenslagen – seelsorgerisch und spirituell. Das A und O für diesen Beruf ist es, Menschen gerne zu haben. Einfach weil sie sind.

Von der Polymechanik über die Päpstliche Schweizergarde in den Dienst der Katholischen Kirche

Geboren und aufgewachsen bin ich in Wil (SG). Meine Eltern sind 1986 aus wirtschaftlichen Gründen von der Region Herzegowina in die Schweiz ausgewandert. Mit zwei Brüdern und zwei Schwestern wuchs ich als Zweitältester in einer grossen Familie auf. Ursprünglich lernte ich Polymechaniker und arbeitete nach Lehrabschluss kurz bei Stadler Rail, bevor ich ins Militär weiterzog. Ein wichtiges Kapitel in meinem Leben war die Zeit in der Päpstlichen Schweizergarde, in der ich unmittelbar nach dem Militärdienst dreieinhalb Jahre lang diente. In meinem ersten Dienstjahr war ich unter Papst Benedikt XVI aktiv. Schliesslich war ich bis zum Ende seines Pontifikates sowie bei seinem Abschied dabei. In dieser für mich wertvollen Lebensphase beschäftigte ich mich damit, ob ich zum priesterlichen Dienst berufen bin oder nicht. Nach langer und reifer Überlegung sowie vielen Gesprächen mit bekannten Priestern, die mir ihre eigene Berufungsgeschichte erzählten, entschied ich mich dazu, die Schweizergarde zu verlassen und mich als Priester in den Dienst der Katholischen Kirche zu stellen.

Berufung gefunden

Obwohl ich kirchlich in der kroatischen Mission aufwuchs, war für mich klar, dass ich im Bistum St. Gallen studieren werde. Hier war ich sechs Jahre lang in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Wil als Ministrant tätig. Als ich im Sommer 2015 aus Rom zurückkehrte, besuchte ich das Einführungsjahr zum Theologiestudium in Givisiez. Damals setzte ich mich nochmals intensiv mit meiner Berufung auseinander. Nach dem Einführungsjahr trat ich ins Priesterseminar St. Lambert in Lantershofen in Deutschland ein, wo ich mein Theologiestudium beendete.

Work-Life-Balance: musikalisch und sportlich fit bleiben

Als Priester habe ich verschiedene Arbeitsorte. Etwa ein Drittel meiner Arbeitszeit verbringe ich vor Ort: an Gottesdiensten, Beerdigungen, Sitzungen, Erstkommunion-Vormittagen, Firmwochenenden- oder im Religionsunterricht. Die restliche Arbeitszeit widme ich den Vorbereitungen dafür. Diese erledige ich meistens in meinem Büro in Winkeln oder manchmal auch zu Hause in meiner Pfarrwohnung in Engelburg. Je nachdem, wie ich vorwärtskomme oder wenn ich gerade wenig Termine habe, kann ich mir zwei oder drei Tage freihalten, um meinen Hobbys nachzugehen oder Freunde zu besuchen. Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich in der Musik und im Sport. Ich wandere gerne, jogge regelmässig oder mache Crossfit. Musikalisch interessiere ich mich vor allem für kroatische Lieder, moderne geistliche Musik, aber auch für gregorianische Choräle und Orgelmusik.»

 

«Der Nimbus des Pfarrers ist heute verloren. Das spornt an, sich Respekt zu verdienen.»

Daniel Krieg, Priester

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Daniel Krieg leitet die beiden Pfarreien St. Martin und Bruder Klaus im Seelsorgeraum Altdorf UR.

«Da kommt der junge Schnösel und weiss alles besser», dachten wohl manche, als ich als Pfarrer in Altdorf begann. Die Gemeinde war in zwei Pfarreien geteilt. Beim Zusammenführen stiess ich zuerst auf Widerstand. Heute ziehen wir an einem Strick. Früher gab es fünf Priester, heute bewältige ich das Pensum mit meinem Pfarreiteam. Das gelingt auf Dauer nur, wenn die Leute vom alten Versorgungsdenken wegkommen, ihren Glauben aktiver leben und sich engagieren. Es ist spannend, traditionelles Denken aufzubrechen, braucht aber Zeit.

Ein gut gepackter theologischer Koffer ist nützlich. Doch auch mit dem Kopf im Himmel musst du mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben. Früher war der Pfarrer ein Gott in Schwarz. Heute hast du den Nimbus verloren, musst dir den Respekt erst verdienen. Das spornt mich an. Der Job geht manchmal an die Nieren – ob Notfallseelsorge bei Lawinenverschütteten, Spitalbesuche oder Todesfälle daheim. Es berührt, wenn du Einsamkeit oder Verwahrlosung erlebst. Und du erreichst nie alle. Wer deine Hilfe nicht will, dem kannst du nur signalisieren: Die Tür steht offen. Ich bin froh um die Gabe, am Abend ablegen und schlafen zu können. Sonst verbläst es dich.

Überzeugende Vorbilder in der Pfarrei

Bibelgeschichten mochte ich schon als Kind. Im Gymnasium konnte ich mir viele Studienrichtungen vorstellen: Medizin, Biologie, Geografie – und Theologie. Meine Schwester und ich stritten oft, wer mit Vater auf dem Töff am Sonntag zur Bergkapelle ob Siebnen fahren durfte. Die war ein Stück Heimat für mich, der Pfarrer dort ein Original – sehr explosiv, aber echt. Er gab uns Ministranten Verantwortung, liess uns anstelle des Sigrists die Kerzen, Bücher und Hostien parat machen. Mit Leuten konnte er es gut, war sofort da, wenn ihn jemand brauchte. Auch der Pastoralassistent war mir Vorbild: Sein Religionsunterricht machte Spass, in den Jungwachtlagern begeisterte er mit Gespenstergeschichten. Das Päckli in der Pfarrei überzeugte einfach – das gab mir noch vor der Matura den Ausschlag fürs Theologiestudium.

Zu Beginn sah ich mich als Pastoralassistenten mit Frau und Kindern. Während ich im Studium über so manches Bekehrungserlebnis meiner Kollegen staunte, wuchs mein Priesterwunsch langsam heran, ganz ohne Initialzündung. Es war schlicht eine Option, mit der ich mich auseinandersetzte. Ich begegnete Leuten, die das Amt erfüllte. Horchte in mich rein: Kann ich das auch oder ist der Wunsch nach Familie grösser? Nach zwei Semestern im Ausland spürte ich, das ist mein Weg. Danach ging ich gerade aufs Ziel zu – mit Pastoraljahr, später als Diakon und Vikar in der Pfarrei. Ich liess mir Zeit, wollte den Beruf kennenlernen, mir sicher sein. Letztlich entschied das Herz. Viereinhalb Jahre nach der Weihe begann ich als Pfarrer in Altdorf.

«Priester bist du auch, wenn du einkaufen gehst.»

Priester bist du auch, wenn du einkaufen gehst. Oft wirst du unterwegs angesprochen, leistest «Trottoirseelsorge». Die Verfügbarkeit ist wichtig, kann aber eine Last sein. Darum gehe ich raus an meinem freien Tag. Ich wandere oder bin auf der Alp. Oder ich lese, um mein Ziel von 1 Million Buchseiten zu erreichen. Bürde ich mir zu viel Arbeit auf, sorgt mein Pfarreiteam für Balance: Für jeden bezogenen freien Tag bekomme ich ein Kleberli auf eine Sammelkarte, für eine volle gibt es ein Geschenk.

Die Rolle ablegen, nur Mensch sein

Ausgleich bietet auch meine Familie. Bei ihr kann ich meine Rolle ablegen, nur Mensch sein. Natürlich bitten meine Geschwister auch mal um geistigen Rat. Genauso wie ich bei Rückenschmerzen zu meiner Schwester in die Physiotherapie gehe. Doch für sie bleibe ich der alte Daniel. Halte ich die Kinder meiner Geschwister im Arm, denke ich schon mal: Wär doch schön. Dann sehe ich wieder, wie viele Impulse ich geben und schöne Begegnungen ich erleben darf – und der Weg zurück zur Gelassenheit fällt leicht.»

 

«Menschen einladen und immer wieder Neues wagen. Das kann ich hier.»

Daniel Noti, Priester

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Daniel Noti arbeitet als Priester in den Pfarreien Region Leuk.

«Ich traf immer wieder auf Menschen, die mir den Glauben vorlebten und ein lebendiges Bild der Kirche ermöglichten. Das will ich als Priester jetzt auch tun. Ich lade die Menschen ein, gehe auf sie zu und habe ein offenes Ohr. Dabei habe ich so viele Möglichkeiten. Ich kann Neues wagen und Vielfalt zulassen – zum Beispiel beim Besuchen von jungen Familien oder bei Jugendgottesdiensten.

Ich habe in Fribourg und in Rom Theologie und Philosophie studiert und wurde 2013 zum Priester geweiht. In meiner Pfarrei arbeite ich mit einem Priester und einem Diakon zusammen. Mein Aufgabengebiet umfasst neben den Gottesdiensten, Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen unter anderem auch die Jugendarbeit und den Religionsunterricht.

«Für die Menschen da sein ist das Wichtigste in meiner Berufung.»

Mir ist wichtig, dass die Kirche auf die Menschen zugeht, ihre Anliegen wahrnimmt und sie auf ihrem Lebensweg begleitet und unterstützt. Durch diese persönlichen Begegnungen erhalte ich zahlreiche, ermutigende Reaktionen. Menschen, die der Kirche oft fernstehen, sind auf einmal bereit, mitzuhelfen und so einen wichtigen Beitrag zu leisten für eine lebendige Pfarrei.

Bezüglich meiner Zukunft bin ich völlig offen. Ich lasse es auf mich zukommen, wohin mich mein Weg als Priester noch führen wird: Für die Menschen da sein ist das Wichtigste in meiner Berufung. Dies möchte ich auch weiterhin tun.»

 

«Taufe, Hochzeit, Tod: Was ein Mensch in einem Leben sieht, gibt’s bei mir an einem Tag!»

Daniel Fischler, Priester

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Daniel Fischler leitet den Pastoralraum Allschwil-Schönenbuch BL.

«Was mir am meisten Freude macht? Mit Leuten etwas entwickeln und umsetzen. In der Pandemiezeit müssen wir sehr kreativ sein. Einen dritten Sonntagsgottesdienst führten wir ein. Mit dem Team zusammen entwickelten und organisierten wir eine ‹To go› Aktion. Es wurden verschiedene Tüten für Familien mit Kindern abgepackt, darin enthalten waren Gebete, Erklärung der Rituale, etwas Süsses und biblischen Geschichten und Bilder zum Ausmalen. Auch die Aktion ‹Oster to go› fand regen Anklang. Diese Tasche mit Gebeten, mit gesegnetem Palmstrauss und einer gesegneten Osterkerze wurde für jene Menschen bestellt und ausgeliefert, die nicht mehr gut zu Fuss sind oder wegen der Pandemie den Kirchenbesuch mieden.

Meine Arbeit bietet viele Facetten und Freiheiten. Das ist ein Geschenk! Da habe ich zum Beispiel mit einem Sterbenden zu tun und eine Stunde später halte ich ein Taufgespräch und freue mich über das Neugeborene.

Glaube, gesunder Menschenverstand und Bodenhaftung

Ein Priester braucht zuerst einmal Glauben und einen Bezug zu Christus. Das ist das Fundament, genügt allein jedoch nicht. Du musst auch geerdet und belastbar sein, gesunder Menschenverstand und Entschlossenheit sind gefragt. Nur wenn ich eine Linie habe, bin ich glaubwürdig. Zudem muss ich offen sein für Menschen und andere Meinungen. Zur Abgrenzung und zum Ausgleich halte ich meinen Körper mit Laufen fit oder gehe mit den Hunden spazieren, die ich zweimal in der Woche hüte.

Schwierig fürs Privatleben sind die Arbeitszeiten abends und an Wochenenden. An Familienfeste wie Weihnachten und Ostern komme ich wegen der Gottesdienste immer erst zum Dessert! Wenn die Arbeit kaum mehr Luft zum Atmen lässt, träume ich schon mal davon, in der Migros Gestelle aufzufüllen. Doch nie für lange, dann fühle ich wieder: Ich bin am richtigen Ort.

«Während der Ausbildung zum kaufmännischen Angestellten wurde mir klar – ich will für die Kirche arbeiten.»

Warum ich Priester wurde? Als Ministrant und bei der Jungwacht klang zum ersten Mal etwas in mir an: Es tat mir gut, in der Pfarrei mitzumachen. Meine Eltern waren keine streng praktizierenden Katholiken. Doch mich hielt nichts mehr im Bett, wenn am Sonntag die Kirchenglocken läuteten – selbst wenn ich wie die anderen Jugendlichen gerne einen über den Durst trank und erst um vier Uhr morgens heimkam.

Täglich Ja sagen zu meiner Arbeit und zu Gott

Als meine Tante an Krebs starb, fragte ich nach dem Sinn. Und da gibt’s einfach nichts Besseres als die Botschaft von Jesus. Während der Ausbildung zum kaufmännischen Angestellten wurde mir klar – ich will für die Kirche arbeiten. Nach dem Praktikum bei einem Pfarrer dachte ich: Wow, wie lässig ist die Arbeit mit den Menschen, die Begegnungen, das Leben im Pfarrhaus! Ich machte die Ausbildung zum Katecheten und arbeitete zwei Jahre. Mit der Zeit reifte der Gedanke, Pfarrer zu werden. Und so wagte ich es, obwohl ich keineswegs sicher war. Nach Tätigkeiten als Pastoralassistent, Diakon und Vikar wurde ich 2002 zum Priester geweiht. Als sich eine Pfarrvakanz ergab, stieg ich voll in die Pfarreiarbeit ein. Die Erfahrung tat gut und bestärkte mich.

Pfarrer werden ist ein Lebensentscheid, du gibst ein Versprechen ab. Hochzeitspaaren gebe ich immer auf den Weg: Ihr müsst euch jeden Tag von Neuem in die Augen sehen und Ja zueinander sagen können. So sage auch ich täglich Ja zu meiner Arbeit und zu Gott.»