Jugendseelsorger:in
Als Jugendseelsorger:in* betreust du niederschwellige Begegnungsangebote für junge Menschen, begleitest sie in ihrer Identitätsfindung, stärkst Eigenverantwortung und unterstützt sie in Krisen. Zudem ermöglichst du religiös-spirituelle Erfahrungen, etwa durch das gemeinsame Gestalten von Gottesdiensten.
* Jugendseelsorge und kirchliche Jugendarbeit haben ähnliche Aufgaben, unterscheiden sich aber im Ausbildungsweg: Für Jugendseelsorge braucht es ein abgeschlossenes Theologiestudium, für Jugendarbeit eine theologische, pädagogische oder sozialfachliche Ausbildung.
Aufgabenbereich
In der Jugendseelsorge bist du je nach Pfarrei in unterschiedlichen Feldern tätig – dein Einsatz orientiert sich an deinen Stärken und den Bedürfnissen der Pfarrei. Neben den Aufgaben der allgemeinen Seelsorge – wie der Stärkung der Gemeinschaft sowie der Übernahme von Leitungs- und organisatorischen Aufgaben – liegt dein besonderer Fokus auf der Arbeit mit jungen Menschen.
Jugendliche begleiten und stärken
- Jugendliche und junge Erwachsene begleitest du in ihrer persönlichen, sozialen und religiösen Entwicklung und unterstützt sie auf dem Weg zu einer gefestigten Identität. Dazu zählt auch die Suche nach der persönlichen Berufung.
- Du förderst Selbstverantwortung und Eigeninitiative, indem du Projekte der Jugendlichen und Leiter:innen verschiedener Jugendverbände unterstützt und Partizipation förderst.
- In persönlichen Krisenmomenten und Notfällen bist du verlässlich da, berätst und unterstützt. Du begleitest Jugendliche und Eltern besonders auch in schwierigen Zeiten und Lebenslagen wie Trennung, Krankheit und Tod. Falls nötig, vermittelst du an die passende Fachstelle.
Die Menschen wollen mit Ehrlichkeit und Offenheit abgeholt werden.
Marco Baumgartner, Jugendseelsorger
Religiös-spirituelle Zugänge ermöglichen
- Du ermutigst Jugendliche, ihre eigene Spiritualität im Dialog mit Glauben und Kirche zu entdecken, und setzt dafür religiös-spirituelle Impulse.
- Mit Gruppen und Einzelpersonen führst du offene und aufmerksame Gespräche zu Sinn-, Lebens- und Glaubensfragen.
- Bei verschiedensten Feiern – Gottesdiensten, Jugendfeiern, Wort‑Gottes‑Feiern – leitest und gestaltest du die Liturgie. Du lässt Jugendliche und junge Erwachsene partizipativ mitgestalten und hast auch Mut zum Experimentieren. Du baust Brücken zwischen Jugend- und Kirchenkulturen.
- Gemeinsam mit Kirchenmusiker:innen, Jugendbands, Sakristan:innen und weiteren Beteiligten lässt du Feiern lebendig und stimmig werden.
Vernetzen und koordinieren
- Für jugendrelevante Themen übernimmst du die Öffentlichkeitsarbeit und vertrittst die Anliegen junger Menschen in Kirche und Gesellschaft.
- Durch aktive Vernetzung mit Einzelpersonen, Institutionen und Trägern der offenen Kinder‑ und Jugendarbeit baust du tragfähige Kooperationen auf und sorgst dafür, dass die Angebote gut abgestimmt sind.
Ausbildung
Je nach beruflicher Erfahrung, Vorbildung oder Quereinstieg stehen dir verschiedene Wege offen. Grundlage ist eine theologische Ausbildung – ergänzt durch eine spezifische Qualifikation für die kirchliche Jugendarbeit. Welcher Weg für dich der richtige ist, können wir gemeinsam in der Beratung herausfinden.
Akademisches Theologiestudium
- Ein Master in Theologie bietet dir eine umfassende akademische Ausbildung und dauert im Vollzeitstudium fünf bis sechs Jahre.
- Das katholische Theologiestudium kannst du an der Universität Luzern, der Universität Fribourg oder an der Theologischen Hochschule Chur absolvieren.
Kirchliche Studiengänge für die Seelsorge
- Ab Herbst 2026 können Religionspädagog:innen sowie Absolvent:innen des Studiengangs Theologie am TBI mit der dualen Ausbildung «Kirchliche Studiengänge Seelsorge» den Abschluss als Seelsorger:in erwerben. Das Studium verbindet Praxis und Theorie, dauert zwei bis drei Jahre und kann an der Universität Luzern, der Universität Fribourg oder an der Theologischen Hochschule Chur absolviert werden.
- Wenn du über eine Erstausbildung und mehrjährige Berufserfahrung in einem kirchlichen Beruf (Katechet:in, Religionspädagog:in) sowie über eine theologische Grundausbildung verfügst (RPI oder Studiengang Theologie), eröffnet dir das Bischöfliche Studienprogramm (BSP) in den Bistümern Basel, St. Gallen oder Chur den Weg in die Seelsorge.
Spezialisierung nach der Seelsorgeausbildung
- Mit einem Theologiestudium oder über kirchliche Studiengänge kannst du in die Seelsorge einsteigen und dich anschliessend gezielt für die Jugendseelsorge spezialisieren. Möglich ist dies zum Beispiel über Einzelmodule des Bildungsgangs Kirchliche Jugendarbeit mit Fachausweis ForModula, über den CAS-Studiengang in Kirchliche Jugendarbeit und Gemeindeanimation oder einen Studiengang am RPI.