Glauben in die Lebenswelt Jugendlicher übersetzen
Marco Martina leitet seit 2019 die Animationsstelle für kirchliche Jugendarbeit im Dekanat Zürich-Stadt. Über Musik und Gemeinschaft fand er zum Glauben. Heute begleitet der Religionspädagoge junge Menschen und entwickelt zeitgemässe Zugänge zu religiösen Fragen.
Zum Beruf fand ich im Grunde dank meiner Gitarre. Bis 18 war die Kirche kein Thema für mich. Meine Familie stammt aus Süditalien. Vater war mit seinen Obst- und Lebensmittelständen immer unterwegs, Mutter zog uns vier Kinder praktisch allein auf – da blieb höchstens mal Platz für eine Weihnachtsmesse. Eines Tages nahm mich ein Kollege in eine Jugendgruppe der Missione cattolica in Neuhausen mit. Der Missionar dort hatte es drauf mit den Jugendlichen. Als er von meiner Gitarre hörte, liess er mich im Gottesdienst spielen. So bin ich ins kirchliche Umfeld reingewachsen.
«Reden wir übers Beten, beginne ich mit Facebook und WhatsApp.»
Marco Martina
Die Gemeinschaft war ebenso wichtig wie die jeden Freitag stattfindende Katechese für junge Erwachsene. Meist ging der Grossteil von uns Jüngeren nachher Pizza essen. Nebst meiner Leidenschaft für Fussball, der ich aktiv als Spieler in einem Verein nachging, verbrachte ich fast meine ganze Freizeit in der «Missione», leitete Jugendgruppen und organisierte Aktivitäten. Auch meine Frau lernte ich dort kennen. Das hat mich geprägt: zu sehen, wie du als Jugendlicher in der Gemeinschaft zum Glauben finden kannst.
Nach der Schule machte ich erst mal die Ausbildung zum Industriekaufmann. Obwohl ich nie richtig glücklich wahr während meiner Ausbildung, schrieb ich mich an der Fachhochschule fürs BWL-Studium ein, wollte Manager werden. Doch der Gedanke, meine Leidenschaft für die Jugendarbeit und Gott zu meinem Beruf zu machen, packte mich immer mehr. Da erzählte mir eine Kollegin vom Religionspädagogischen Institut, wo ich gleich im Jahr 2010 anfing und im Jahr 2014 abschloss.
Zu Beginn des Studiums stand ich an. Ich hatte den Glauben erst gerade entdeckt und schon sollte ich ihn wissenschaftlich hinterfragen. Doch ich wuchs an den Diskussionen, fand meine eigene Sicht. Parallel arbeitete ich bei IKEA, später als kirchlicher Mitarbeiter in der Pfarrei, um mein Studium zu finanzieren. In dieser Zeit gab ich aus zeitlichen Gründen auch das Fussballspielen auf – kein einfacher Schritt für mich. Zunächst interessierte mich im Studium nur die Jugendarbeit, für die Idee, Religionsunterricht zu erteilen, konnte ich mich am Anfang nicht erwärmen. Heute bin ich aber begeisterter Jugendarbeiter und Religionslehrer.
«Was du erzählst, musst du auch vorleben. Sonst nehmen dich die Jungen nicht für voll.»
Beruf und Familie unter einen Hut bringen
In kirchlichen Berufen musst du oft am Abend arbeiten. Mit drei Kindern, die den Papa am Abend zum Spielen, Geschichtenlesen und gemeinsamen Singen brauchen, ist das nicht immer einfach. Es braucht eine gesunde Familienstruktur und vor allem eine starke und unterstützende Frau im Hintergrund.
Ich liebe meine Arbeit, mache sie aus Überzeugung und heute noch wie einst als Ehrenamtlicher. Zeit mit Jungen zu verbringen, ist für mich in meiner Arbeit das Wichtigste. Gott sei Dank stoppt mich meine Frau, wenn ich vor lauter Elan zu viel arbeite.