Zwischen Schulzimmer und Jugendlager
Simon Spielmann begleitet Kinder und Jugendliche im Religionsunterricht, in der Firmvorbereitung und in Jubla-Lagern im Pastoralraum Gäu. Als Religionspädagoge und Jugendarbeiter verbindet er Glaubensvermittlung mit kreativen Konzepten. Entscheidend ist für ihn, authentisch zu bleiben und Kirche als lebendig und zeitgemäss fassbar zu machen.
Mein Weg in die Kirche ist etwas aussergewöhnlich. Ich war ursprünglich Orthopädist und hatte auch neun Jahre auf diesem Beruf gearbeitet, in einer privaten Orthopädiefirma, die Spitäler und Heime als Kunden hatte. Auch damals hatte ich viel mit Menschen zu tun, vom Baby bis zu älteren Leuten. Diese Kontakte fand ich immer schon spannend. Ich machte mir aber Gedanken zu meiner zukünftigen Arbeit, wollte ich doch nicht mein ganzes Leben als Orthopädist arbeiten.
«Kreativ sein, neue Konzepte und Ideen entwickeln. Das ist viel wert.»
Simon Spielmann
Theologische Themen hatten mich schon immer interessiert, deshalb schaute ich mir die Ausbildung am RPI in Luzern etwas genauer an. Das Fächerangebot sagte mir sehr zu, das Studium ist sehr breit. Ich ging dann an einen Infoanlass und sprach mit Studierenden und Dozierenden, und mein positives Gefühl verstärkte sich. Die Vielfalt, die Auseinandersetzung mit Theologie, Philosophie oder Didaktik, das faszinierte mich.
Nun arbeite ich das dritte Jahr im Pastoralraum Gäu, seit August 2016 zu 100%. Zuvor hatte ich während des Aufbaustudiums am RPI mein Praktikum im Pastoralraum Gäu absolviert und 40 bis 50% dort gearbeitet. Die Beschäftigung mit ganz unterschiedlichen Menschen gefällt mir sehr: mit Kindern im Religionsunterricht, von der dritten Klasse bis zur ersten Oberstufe, mit Jugendlichen in der Jugendarbeit wie der Firmvorbereitung, aber auch mit reformierten Kolleginnen und Kollegen. Kinder und Jugendliche auf einem Abschnitt ihres Lebenswegs zu begleiten und beim Finden ihres Glaubens zu unterstützen, ist eine schöne Aufgabe.
Authentisch sein und sich selber bleiben
Wer junge Leute begeistern will, muss authentisch sein und sich selber bleiben. Ich kann nur Dinge vermitteln, hinter denen ich voll stehen kann. Bist du nicht glaubwürdig, merken das Kinder und Jugendliche sofort. Man muss in diese Rolle auch reinwachsen, das ist zu Beginn nicht ganz einfach. Aber wenn man mal drin ist, ist es spannend und bereichernd. In einem Lager zum Beispiel bekommt man auch ganz anderes mit vom Leben der Jugendlichen als im Schulzimmer.
Ich schätze die grosse Freiheit, die mein Beruf mit sich bringt. Kreativ sein, neue Konzepte und Ideen entwickeln. Das ist viel wert. Klar, wir haben unsere Vorgaben und ein Pflichtenheft, auch der Lernstoff im Religionsunterricht ist vorgegeben. Aber wie ich das vermittle, ist mir überlassen.
«Ich will aufzeigen, dass die Kirche nicht verstaubt und hinter dem Mond ist.»
Da ich im katholischen Glauben aufgewachsen bin, bin ich in der Kirche beheimatet und fühle mich hier sehr wohl. Es reizt mich, Jugendlichen etwas davon weiterzugeben – und das in einer Zeit, in der viele mit der Institution Kirche gar nichts zu tun haben wollen, weil sie diese als veraltet anschauen. Ich will aufzeigen, dass die Kirche nicht verstaubt und hinter dem Mond ist.
Organisatorisch stellt mein Beruf hohe Anforderungen. Wenn man Religionsunterricht gibt, Erstkommunikanten vorbereitet, Präses einer Jungschar ist und daneben noch weitere Jugendarbeit leistet, muss man auch auf die eigenen Freiräume achten. Ich könnte locker 200% arbeiten, aber damit würde ich mir keinen Gefallen machen. Ich muss mir immer wieder der unterschiedlichen Rollen bewusst sein: Stehe ich im Schulzimmer, habe ich nicht die gleiche Rolle wie als Präses im Jubla-Lager. In der Schule bin ich der Lehrer Spielmann, im Lager der Simon. Aber genau diese Abwechslung macht es aus.