Ein offenes Ohr im Armeedienst
Lisa Wieland arbeitet als Pfarreiseelsorgerin in der Pfarrei St. Michael in Zug und als Armeeseelsorgerin. Sie hört zu, berät bei persönlichen und existenziellen Fragen, vermittelt bei Konflikten und unterstützt bei Bedarf auch das Kader. Dabei verbindet sie militärische Erfahrung, Theologie und ein breites Wissen über Resilienz, Gesundheit und Krisen im Armeedienst.
Durch den Militärdienst im Milizsystem ergibt sich die Möglichkeit, vielfältige Erfahrungen zu sammeln. Genau das kann aber auch zu einer Doppelbelastung führen. Zum militärischen Auftrag und der sich stetig verändernden politischen Weltlage kommen oft «zivile» Belange mit in den Dienst – finanzielle Fragen, der pflegebedürftige Vater, die hochschwangere Frau … Die Armeeseelsorge begleitet Kameradinnen und Kameraden in diesen Momenten und kann wichtige Unterstützung bieten.
«Bei existenziellen Fragen ist es wichtig, dass das Gegenüber spürt: Da ist jemand für mich da, der mir zuhört, mich ernst nimmt und mir hilft.»
Lisa Wieland
Im Einsatz für die Armeeangehörigen
Mein Theologiestudium hat mich darauf ehrlich gesagt eher wenig vorbereitet. Seelsorge in der Armee wurde im Unterricht nicht thematisiert. Trotzdem gibt mir das Studium ein solides Fundament. Wie viele Seelsorgende hatte ich davor noch einen anderen Beruf: Ich habe eine Lehre als Köchin EFZ absolviert und später im Sicherheitsbereich gearbeitet. Als Soldatin habe ich bei einem KFOR-Einsatz zum ersten Mal Armeeluft geschnuppert.
Als ich mich während meines Theologiestudiums für die Armeeseelsorge zu interessieren begonnen habe, erkundigte ich mich, was es dazu braucht. Was ich von der Fachstelle Armeeseelsorge hörte, überzeugte mich – und so ging es Schritt für Schritt in Richtung Armee. Parallel dazu schloss ich meine Berufseinführung im Bistum Basel ab, sodass ich heute mit viel Herzblut Pfarreiseelsorgerin in der Pfarrei St. Michael in Zug und Armeeseelsorgerin in der Logistik Brigade 1 bin. Als Armeeseelsorgerin bin ich Teil des Milizsystems und für Armeeangehörige in der ganzen Schweiz da.
Mir hilft mein breiter Rucksack an Aus- und Weiterbildungen, Berufserfahrung und ein ehrliches, tiefes Interesse an Menschen. Werte wie Offenheit und Wertschätzung sind fast noch wichtiger als all die erlernten Theorien zu Kommunikation, Gesprächsführung oder zu Themen wie Resilienz, Gesundheit, Sucht, Suizidprävention etc.
Tiefe Einblicke und grosse Fragen
In den Gesprächen ist es mir wichtig, ein offenes Ohr zu haben und breite Unterstützung zu signalisieren. Das Gegenüber soll spüren: Da ist jemand für mich da, der mir zuhört, mich ernst nimmt und mir hilft. Teil davon zu sein, ist für mich jedes Mal eine unglaublich tiefe Erfahrung. Es können jeweils ganz verschiedene Fragen auftauchen. Konkret um den Glauben geht es selten. Meist sind es existenzielle Erfahrungen. Die Palette ist riesig und unterscheidet sich von Truppe zu Truppe. Die Fragen ähneln sich vielleicht, doch jede Person geht anders damit um.
Neben diesen oft sehr intensiven und persönlichen Seelsorge-Gesprächen oder Coachings gilt es, beispielsweise beim Beginn des WK-Dienstes Ansprachen zu halten, bei Bedarf das Kader religiös oder ethisch zu beraten, bei Konflikten zu schlichten oder an Fachstellen zu vermitteln.
Wenn ich einmal nicht weiter weiss, wende ich mich für Unterstützung an Gott, meine Nächsten oder an Fachpersonen. Ich möchte für die Menschen da sein, die gerade kein solch verlässliches soziales Umfeld haben, dem sie sich anvertrauen können – und die vielleicht auch nicht an Gott glauben.