Freiräume für eine Kirche in Bewegung
Philipp Wirth leitet als Pfarreibeauftragter die Jakobus-Pfarrei in Steinach SG. Als Religionspädagoge gestaltet er Gottesdienste, begleitet Menschen bei Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen und führt das Seelsorgeteam. Dabei sucht er bewusst nach Freiräumen für neue Formen und begleitet Menschen in persönlichen, oft schwer planbaren Lebenssituationen sowie bei Sinnfragen.
In meiner aktuellen Stelle als Pfarreibeauftragter übernehme ich ganz unterschiedliche Aufgaben. Zusammen mit dem Pastoralteam plane und gestalte ich Gottesdienste, begleite Taufen, Beerdigungen und Hochzeiten. Ebenfalls kümmere ich mich um die Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation. Unter der Woche arbeite ich oft im Büro: Ich telefoniere, führe Gespräche, organisiere und leite aktuelle Projekte wie den jährlichen Adventsmarkt, lese Texte und bereite Predigten vor. In der Kirche bin ich vor allem für Gottesdienste am Wochenende verantwortlich.
«Die Kirche ist ein Ort, an dem ich wachsen kann.»
Philipp Wirth
Das schönste Feedback bekam ich letztens in einem freieren und etwas spezieller gestalteten Gottesdienst, den wir als «Kreativfeier» bezeichneten. Während der Feier kam ein Mann auf mich zu und sagte: «Ich habe mein ganzes Leben lang immer versucht, alles zu befolgen und richtig zu machen. Es ist schön, wie du den Mut hast, etwas anderes auszuprobieren. Das tut uns gut.»
Vom Soliden zum Sinn
Als Jugendlicher wollte ich etwas Solides, Sicheres. Doch schon während der KV-Lehre merkte ich: Ich möchte nicht nur verwalten, sondern gestalten. Lange war für mich offen, ob ich Sozial- oder Religionspädagoge werden wollte. Die Entscheidung fiel durch eine unerwartete Situation. Ich übernahm eine Religionsstunde meiner Mutter in einer 3. Klasse. Wir sprachen über den Satz ‹Dein Reich komme›. Dieses Gespräch wurde überraschend tiefgründig und lebendig. Mir wurde klar, dass ich mit Menschen über Sinn- und Glaubensfragen nachdenken und sie auf ihrem Weg begleiten möchte.
Seelsorge einplanen
Heute leite ich das Seelsorge-Team und bin auch direkter Ansprechpartner für meine Gemeinde. Die seelsorgerische Arbeit macht einen grossen Teil meines Alltags aus, ist aber schwer vorhersehbar. Manche Menschen vereinbaren online einen Termin mit mir, andere stehen spontan vor der Tür. Zuerst kläre ich ab: Geht es ums Zuhören, um eine konkrete Lösung für ein Problem oder um das Diskutieren von existenziellen Fragen? Die Frage nach Gott wird selten direkt gestellt, schwingt aber oft mit – besonders in Trauergesprächen oder wenn wir uns mehrmals treffen. In Notsituationen muss die eigene Familie und das Privatleben auch einmal hinten anstehen. Solche Situationen sind schwer planbar.
Freiräume finden und gestalten
Manchmal überkommen mich auch Zweifel. Ich ringe mit engen Vorgaben und stelle mir selbst oft die Glaubensfrage. Das Umfeld der Katholischen Kirche erlebe ich als anspruchsvoll: Verschiedene Erwartungen, Gremien und finanzielle Rahmenbedingungen können Prozesse manchmal bremsen. Da Freiräume zu finden und zu gestalten, ist nicht immer einfach für mich. Und trotzdem entscheide ich mich bewusst, zu bleiben. Denn ich arbeite gern mit Menschen und die Kirche ist für mich ein Ort, an dem spirituelle Fragen offen gestellt werden dürfen – und an dem ich wachsen kann.